Archäologisches Projekt Dzehkabtún deutsch español

Der Fundort 

Halbinsel Yucatan Dzehkabtun, eine Ruinenstätte der früh- bis epiklassischen Mayakultur, liegt südlich der Ortschaft Hopelchén im heutigen mexikanischen Bundesstaat Campeche auf dem Gebiet der ehemaligen Hacienda Holcatzín. Der Fundort vereinigt in sich architekturstilistische Merkmale der Chenes- und Puuc-Region, ist heute aber durch intensiven Steinraub stark zerstört. Die noch sichtbaren Gebäude des Ortszentrums liegen auf einer nach Südosten leicht abfallenden Fläche und werden von zwei 16 und 14 Meter hohen Pyramiden dominiert, die von einer dichten Bebauung überwiegend repräsentativen Charakters umgeben sind. Die umliegende Siedlung bedeckt eine Fläche von mindestens vier Quadratkilometern. Die erhaltene Architektur sowie die bisher bekannten Monumente und Skulpturen aus Dzehkabtún zeigen eine Besiedlungsdauer spätestens seit der frühen Klassik (300 – 500 n. Chr.) bis in die Epiklassik oder frühen Postklassik (um 1000 n. Chr.) an.

Forschungsgeschichte

Palast von Dzehkabtun, Foto von Teobert Maler Teobert Maler beschrieb 1887 auf einer seiner Reisen durch Yucatán die „Ruinenstadt Dsekatun“ und fertigte erste Skizzen und Fotografien an. Im 20. Jh. wurde Dzehkabtún von verschiedenen Archäologen besucht, unter anderem von George F. Andrews, Harry E. D. Pollock und Nicholas Dunning. Sie veröffentlichten Beschreibungen einzelner Gebäude und Monumente, ohne jedoch den Versuch zu unternehmen, den Fundort in seiner Gesamtheit zu dokumentieren und zu untersuchen. Danach blieb Dzehkabtún über Jahrzehnte von der archäologischen Forschung unbeachtet. Türsturz 1 2007 und 2008 wurde unter der Leitung von Dr. Iken Paap mit der systematischen Vermessung des Fundortes begonnen. Die dabei bisher aufgenommene Fläche umfasst den größten Teil des dicht bebauten Ortszentrums. Die Kartierung war mit einem intensiven Survey verbunden, in dessen Verlauf mehrere bisher unbekannte Monumente und Skulpturen dokumentiert werden konnten.

Forschungsziele

George F. Andrews betonte schon in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts die Schlüsselrolle Dzehkabtúns zum Verständnis der zeitlichen und räumlichen Beziehungen zwischen den Stilregionen des Chenes und des Puuc auf der Halbinsel Yucatán. Das Konzept dieser homogenen, auf einer Typologie von Architekturmerkmalen und Fassadenschmuck basierenden Stilregionen ist heute nicht mehr haltbar. Dennoch bleibt nach wie vor zu klären, welche Faktoren „hinter den Fassaden“ wirksam waren. Die von Maler dokumentierten (heute weitgehend zerstörten) Fassaden repräsentativer Gebäude in Dzehkabtún zeigen neben lokalen Eigenheiten Merkmale sowohl des Puuc als auch des Chenes. Während der Kartierungsarbeiten im Frühjahr 2008 zeigte sich, dass im Zentrum Dzehkabtúns mehrere Bauten unvollendet geblieben waren: ein Phänomen, das sich am Ende der Klassik auf Yukatan häufig beobachten lässt. Neben einem ungewöhnlichen Korpus später Skulpturen und Monumente überraschen hier aber vor allem die Anzeichen für massive und großflächige Bauaktivitäten in der Epi- oder Postklassik: ganze Hofgruppen im Zentrum des Ortes scheinen umgestaltet und mit Gebäuden aus niedrigen Grundmauern – oft unter Wiederverwendung älterer Fassadensteine – überbaut worden zu sein. Diese späten Bauten unterscheiden sich in der Bauweise und Raumkonzeption von den vergleichsweise gut dokumentierten "c-förmigen Strukturen" im nördlich benachbarten Puuc-Gebiet. Sie sollen untersucht werden, um Fragen nach der Kontinuität seit der Klassik, dem soziopolitischen Gefüge und den Gründen für die Aufgabe dieser Siedlung wie auch der benachbarten Zentren auf der zentralen Halbinsel Yucatán in einen größeren regionalen Zusammenhang stellen zu können. Daneben soll die Vermessung und Kartierung der Siedlung fortgesetzt werden, zum einen, um die Basis für weitere siedlungsarchäologische Untersuchungen zu gewinnen und zum anderen, um das Siedlungsareal in Zukunft in Mexiko offiziell registrieren und damit vor weiteren Zerstörungen durch das regelmäßige Abbrennen der Vegetation sowie Steinraub schützen zu können.

Finanzierung

Logo der DFG Das Projekt wird im Rahmen einer Sachbeihilfe von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert
("End- und Postklassik im nördlichen Campeche, Mexiko: Kontinuitäten und Brüche").

Co-Direktor

Dr. Antonio Benavides Castillo (INAH Campeche).